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Berlin: Wie baut man einen U-Bahnhof unter dem Roten Rathaus?

Sie bestehen also darauf, die Berliner U-Bahn-Linien U5 und U55 zu verbinden. Gute Idee. Offensichtlich wollen Sie die unterbrochene Linie von Hönow nach Berlin Hauptbahnhof flicken, oder? Nichts ist leichter als das. Folgen Sie einfach diesen simplen Schritten.

1. Besorgen Sie ein paar Mark für das Vorhaben. Gut eine halbe Milliarde Euro dürfte ausreichen. Genau gesagt sind es 525 Millionen. Stapeln Sie die harten Devisen zunächst in Ihrem Schlafzimmer, bis sie gebraucht werden. Nein, Sie dürfen keinen “Mini-Bruchteil” der Mittel für eine “Mega-Party” investieren.

Ein paar Platten müssen noch an die Wände geklebt werden. Foto: Imanuel Marcus

2. Warum einen Tunnel graben, wenn es ihn schon gibt? Nutzen Sie den existierenden, bereits vor 90 bis 100 Jahren gegrabenen Tunnel zwischen Alexanderplatz und dem Roten Rathaus. Verwetten Sie Ihr iPhone auf Folgendes: Diese 600 Meter werden Ihnen einen erheblichen Teil der Schaufelei ersparen.

Die Holztreppen werden noch rechtzeitig verschwinden. Foto: Imanuel Marcus

3. Zeichnen Sie einen kompliziert aussehenden Plan, nur um sicherzugehen, dass Ihr Tunnel nicht aus Versehen bis Frankfurt/Oder reicht, oder? Hier geht es um nur 2,2 Kilometer. Konzentrieren Sie sich auf die Aufgabe.

Der geheimnisvolle Eingang zur Baustelle befindet sich genau vor dem Roten Rathaus. Foto: Imanuel Marcus

4. Benutzen Sie einen Teil von dem Geld in Ihrem Schlafzimmer, um ein paar Leute mit einer überdimensionalen “Tunnelbuddelmaschine” zu engagieren. Nennen wir das Ding Bärlinde, o.k.? Nutzen Sie dieses Monster-Gerät, um zwei Tunnelröhren zu graben, eine für jede Richtung. Ja, das verdammte Ding wird auch gleich die Tunnelwände betonieren. Lehnen Sie sich zurück und gucken Sie zu.

Auf dem Bahnsteig am Roten Rathaus zu stehen, fühlt sich gut an. Der nächste Zug kommt aber erst in 15 Monaten. Foto: Imanuel Marcus

5. Vergessen Sie nicht, auf Ihrer Strecke drei U-Bahn-Stationen zu errichten, nämlich eine unter dem Roten Rathaus, eine unter der Museumsinsel und eine unter ‘Unter den Linden’. Für die Stationen brauchen Sie Rolltreppen, Plattformen, mit wahrlich hübschen Luxusplatten verzierte Wände, Fahrkartenautomaten, ‘Capri-Sonne’-Automaten und Automaten-Automaten.

Was ist das eigentlich für ein Riesen-Ding? Foto: Imanuel Marcus

6. Legen Sie ein paar Schienen. Es geht hier um U-Bahnen, verdammt nochmal.

7. Ach, Sie sind auf Wasser gestoßen? Und Sie sind überrascht? Warum wird wohl die Museumsinsel als Museumsinsel bezeichnet? Könnte dies damit zu tun haben, dass sie von Wasser umgeben ist? Und Sie wissen nicht, wie man einen U-Bahnhof ins Wasser baut? Finden Sie es heraus. Irgendwas mit einer Eismaschine. Wenn das Wasser vereist ist, müssen Schlamm und Geröll mit einem Suppenlöffel herausgepopelt werden – oder so ähnlich.

Hier werden bald 50.000 Passagiere herumtrampeln. Foto: Imanuel Marcus

8. Oh, Sie haben nun eine Station zu viel? Ach richtig, Französische Straße. Schließen Sie diesen Bahnhof ab und werfen Sie den Schlüssel in die Spree, aber erst wenn es richtig losgeht.

U-Bahnen müssen auch mal geputzt und von Graffiti-Schmierereien befreit werden. Dies passiert hier. Foto: Imanuel Marcus

9. Sie sind fertig? Blasen Sie die gute Nachricht in die Welt hinaus. Schreiben Sie eine Million Pressemitteilungen und Social Media-Posts. Sie haben es geschafft. Dank Ihrer selbstlosen Aktivitäten werden bis zu 3500 Kraftfahrzeuge weniger durch die Stadt kacheln, pro Tag versteht sich. Mehr als 50.000 Passagiere werden allein im Bahnhof Rotes Rathaus ankommen oder abfahren – und dies jeden gottverdammten Tag.

10. Ja, ich weiß. Schlechte Nachrichten gibt es auch: Die U-Bahn-Linie 5 wird ihr neues Zwischenstück erst Ende 2020 nutzen können, da noch einige Elemente verschraubt werden müssen. Egal. Machen Sie sich lang, fressen Sie ein paar Kekse und warten Sie. Ach ja, bezahlen Sie die Planer, Architekten und Bauarbeiter.

11. Rasen Sie mit einem E-Roller nach Hause, aber nicht über den Gehweg.