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Liebe allein macht nicht satt

‘Animal Rescue Sofia’ betreibt ein großes Tierheim in Bulgarien. Die Organisation nimmt Straßenhunde auf sowie missbrauchte, ausgesetzte und kranke Tiere. Ein kleines Team kümmert sich rührend um die Vierbeiner. Liebe allein macht allerdings nicht satt.

Eva aus Paris ist Teil des Teams im Hundeheim der Organisation Animal Rescue Sofia (ARS). “Vor einem Jahr bin ich hergekommen”, sagt sie. “Eine Stunde lang habe ich mit den Betreibern gesprochen und ihnen gesagt, dass ich für sie arbeiten will. Wenig später hatte ich den Job.” Es war kein Zufall.

Etwa 220 Hunde warten darauf, adoptiert zu werden. Foto: The Berlin Spectator

Die frühere Gewichtheberin mit dem breiten Lächeln und unzähligen Tattoos im Gesicht sowie auf ihren Armen und Beinen ist ihren Kollegen zufolge eine “Hunde-Flüsterin”. Mit viel Liebe und dem richtigen Verhalten schafft sie es, selbst mit den aggressivsten Hunden klarzukommen.

Wasser und andere Probleme

Seit Eva, die energiegeladene Französin, bei ARS anfing, hatte sie noch keinen einzigen Ferientag. Wenn die Anderen aus ihrem Urlaub am Schwarzen Meer zurückkommen, beabsichtigt sie, für ein paar Tage zu verschwinden, um ihre Familie in Paris zu besuchen.

Warum bin ich in diesem Käfig? Photo: The Berlin Spectator

An einem überaus heißen Tag im August war Eva einmal mehr damit beschäftigt, mit ihren vierbeinigen Schützlingen zu kommunizieren. Dann rennen plötzlich ein paar Hunde außerhalb ihrer Zwinger auf dem Gelände umher. Eva ließ sie heraus, um ihnen etwas Abwechslung zu bieten. Das heftige Schwanzwedeln zeugt von viel Freude.

ARS hat im Lauf der Jahre Adoptivherrchen und -frauchen für 7000 Hunde gefunden. Foto: The Berlin Spectator

Drei Jahre zuvor, an einem anderen heißen Sommertag, war es die ARS-Angestellte Stella gewesen, die sich so gefreut hatte, dass endlich eine Wasserleitung installiert worden war. Bis zu diesem Moment war das Hundeheim gezwungen gewesen, mit Wassertanks zu arbeiten. Eva, Stella und alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dieses Heim der Liebe seither am Laufen gehalten, allen Schwierigkeiten zum Trotz.

7000 Hunde adoptiert

Geld war immer ein Problem. In diesem Moment ist die finanzielle Situation bei ARS nicht zum ersten Mal schlecht, da einige Neuzugänge Operationen brauchten, die mit 9000 Leva (4500 Euro) zu Buche schlugen. Spenden werden dringend benötigt. Animal Rescue Sofia (Spendenseite der ARS-Webpräsenz) ist gezwungen, sich komplett auf sie zu verlassen.

Ältere Hunde haben ihren eigenen Zwinger. Foto: The Berlin Spectator

Ständig kommen neue Straßenhunde zu ARS. Zunächst werden alle Neuzugänge untersucht und sterilisiert. In den vergangenen fünf Jahren waren es 12,000 Hunde, die diesen Prozess durchliefen. Einige Tiere, inklusive vieler Missbrauchsopfer, müssen operiert werden, während die gesunden Tiere direkt in Zwingern untergebracht werden. Im Moment sind etwa 220 Hunde vor Ort.

Das ARS-Hundeheim ist 15 Minuten von Sofia entfernt. Foto: The Berlin Spectator

Während einige Hunde mehrere Jahre lang hierbleiben, werden andere schneller adoptiert. Seit ihrer Gründung hat es die Organisation geschafft, für 7000 Hunde jeweils ein neues Zuhause zu finden. Ihre neuen Frauchen und Herrchen leben in Bulgarien und anderen europäischen Ländern. Es könnten mehr sein, aber trotz der vielen Straßenhunde in ihrem Land kaufen viele Bulgarien reinrassige Hunde, anstatt Mischlinge zu adoptieren.

Adoption in West-Europa

Hunderte der vermittelten Tiere kamen in die Schweiz, nach Frankreich, Deutschland oder in andere europäische Staaten, wo sie Teil von Familien oder treue Gefährten für Einzelpersonen wurden. Hunde ins Ausland zu transportieren kostet Geld. Wenn die Tiere allerdings nicht abgeholt werden, muss ARS Geld investieren, das die Organisation schlicht nicht hat.

Pferde, Maultiere, Ziegen und Schweine stellen bei ARS eine Minderheit dar. Foto: The Berlin Spectator

Vor fünfzehn Jahren lebten tausende Straßenhunde in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. In Rudeln liefen sie vor allem nachts durch die Straßen, fraßen Abfälle und hinterließen ihre Haufen überall. Fußgänger wurden zuweilen angegriffen und in einigen Fällen sogar getötet. Die Stadt wurde schließlich tätig.

Die ‘Hundeflüsterin’ Eva aus Frankreich ist Teil des ARS-Teams. Foto: The Berlin Spectator

Hilfsorganisationen und Medienberichten zufolge wurden damals täglich dutzende Hunde eingefangen und totgeschlagen. Hundeliebhaber konnten dies nicht untätig hinnehmen. Sie gründeten kleine Zentren, in denen die Tiere markiert und kastriert wurden. “Adoptiveltern” wurden gesucht.

Das Heim in Dolni Bogrov

Im Jahr 2008 verabschiedete das Parlament in Sofia endlich ein Tierschutzgesetz. Der Staat verfolgte danach die Kastrationsstrategie. Dies bedeutete, dass die Straßenhunde sterilisiert und anschließend wieder ausgesetzt wurden. Dies war der Weg, den private Organisationen bereits verfolgten. Seither hat sich die Anzahl der Straßenhunde im Zentrum Sofias entscheidend verringert. In den Außenbezirken leben zumindest weniger Straßenköter.

Anstatt Straßenhunde wie diese zu adoptieren, kaufen sich viele Bulgaren reinrassige Hunde. Foto: The Berlin Spectator

Eine der heute noch bestehenden privaten Initiativen ist Animal Rescue Sofia (ARS), die ihre Arbeit mit viel Liebe verrichtet und seit ihrer Gründung vor 10 Jahren erheblich wuchs. Im Jahr 2013 kaufte ARS mit Spendengeldern das alte Fabrikgelände in der Ortschaft Dolni Bogrov, auf dem heute das Hundeheim betrieben wird.

Zahlreiche niedliche Welpen sind bei ARS ebenfalls verfügbar. Foto: The Berlin Spectator

Vor allem die ersten Jahre waren sehr schwierig. Seit im Jahr 2016 endlich Wasserleitungen verlegt wurden, haben sich die Bedingungen vor Ort verbessert, während die finanzielle Situation weiterhin schwierig ist.

Pferde, Maultiere und Schweine

Das Tierheim in Dolni Bogrov beherbergt nicht nur Hunde. Auch Pferde, die von ihren Besitzern missbraucht wurden sind vor Ort. Ziegen, Schweine und ein Maultier leben ebenfalls hier und scheinen sich in ihrer gemeinsamen Einzäunung prächtig zu verstehen. Die Organisation will sicherstellen, dass diese Tiere in Würde weiterleben können.

Die meisten Hunde in Dolni Bogrov sind friedlich und süß. Foto: The Berlin Spectator

Besucher im ARS-Hundeheim werden mit einem lauten Konzert empfangen. Viele Tiere machen auf sich aufmerksam, indem sie die menschlichen Eindringlinge anbellen. Andere ziehen es vor, gutes Benehmen zu demonstrieren. Sie zeigen sich von ihrer besten Seite, da sie auf eine Adoption hoffen.

Bei 35 Grad Celsius ist alles etwas schwieriger. Foto: The Berlin Spectator

An diesem Morgen zeigt ein aggressiver Vierbeiner seine Zähne und springt sehr hoch. Glücklicherweise gelingt es ihm nicht, den Zaun seines Zwingers zu überwinden. Im nächsten Zwinger ist ein blindes Tier untergebracht, im übernächsten ältere Semester. Freiwillige Helfer führen einige der Tiere an Wochenenden spazieren. Die meisten Zwinger haben einen Innen- und einen Außenbereich.

Die Adoptionsprozedur

Hinter dem kleinen Verwaltungsgebäude, das gleichzeitig die Lagerhalle unterbringt, befindet sich der Bereich für Pferde, Schweine und Ziegen. Dahinter leben die Welpen in eigenen Zwingern. Sie sind so niedlich, dass die meisten Besucher sämtliche Tiere mitnehmen wollen, was aber letztendlich nur wenige Personen tatsächlich tun.

Alle Insassen könnten Schönheitswettbewerbe gewinnen. Foto: The Berlin Spectator

Einige der Welpen sind offensichtlich Geschwister, darunter ein paar Schönheiten mit weißem Fell. Die Kleinen liegen bei dieser Hitze im Schatten herum. Wenn aber menschliche Besucher vorbeikommen, eilen sie zum Zaun, um so viele Hände abzulecken wie möglich.

ARS kümmert sich seit 10 Jahren um Straßenhunde. Foto: The Berlin Spectator

Familien oder Einzelpersonen, die einen Hund adoptieren wollen, sollten im Idealfall zum ARS-Hundeheim kommen, sich ein Tier aussuchen und mit ihm spielen. Dann gehen sie in der Regel ohne Hund nach Hause, um am nächsten Tag wiederzukommen und mit dem ausgewählten Vierbeiner zu spielen und ihre Zuneigung zu zeigen. Auch müssen sie Fragen beantworten, denn ARS will sicherstellen, dass die Tiere bei den richtigen Personen landen.

Hohe Kosten pro Hund

Wer keinen Hund adoptieren will oder kann, hat dennoch die Möglichkeit zu helfen, und zwar mit Spenden über die ARS-Webseite oder vor Ort. Abgesehen von Geld braucht das Hundeheim stets Futter.

Das Futter kostet etwa 20 Euro pro Hund und Monat. Foto: The Berlin Spectator

Bevor ein missbrauchter oder ausgesetzter Hund aufgenommen werden kann, werden 76 Euro fällig, nämlich für Impfungen, die Kastration, Untersuchungen und einen Hundepass. Einen Hund zu füttern schlägt mit etwa 20 Euro pro Monat zu Buche. In einigen Fällen sind spezielle medizinische Behandlungen oder gar Operationen erforderlich.

Viele ARS-Hunde wurden im Ausland adoptiert. Foto: The Berlin Spectator

In einem Land in dem viele Hunde an viel zu kurzen Ketten als “lebende Türklingeln” missbraucht oder anderweitig gequält werden, gibt die Organisation ARS ihren Tieren viel Liebe. Liebe allein macht aber nicht satt.