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Berlin-Monolog Nr. 1: Die Malheurs für 2020 stehen in der Warteschlange

In der heutigen, ersten Ausgabe dreht sich alles um die Malheurs des neuen Jahres, Zwickmühlen und sonstige Phänomene.

Wenn Sigrid Nikutta an ihrem ersten Arbeitstag bei der Deutschen Bahn wegen einer Verzögerung im Betriebsablauf Stunden zu spät kommt, kann sie einen Antrag für die Rückerstattung des Fahrpreises ausfüllen. Sie selbst wird kaum zur Verantwortung gezogen werden können, da sie sich von nun an um Fracht kümmert, vom Einwegrasierer bis hin zum S-Klasse-Mercedes.

Fleckchen mit Monden

Zum Glück wird russisches Gas per Pipeline transportiert, sollten die fehlenden 30 Kilometer von North Stream II trotz der Sanktionsdrohungen der Freunde hinter der Pfütze und der Kritik im Inland überhaupt an den Start gehen. Andererseits ist es für einen Rückzieher zu spät. Das Festhalten an diesem Gas-Deal mit Schröder und Putin ist immerhin nicht ganz so hirnrissig wie eine Fortführung des Handels mit Teheran.

Nun zu den schönen Dingen des Lebens: Wenn die Knospen in Berlin bereits im Januar in das Sichtfeld des fotografierenden Betrachters ragen sollten, werden wir wissen, wo die wichtigste Herausforderung liegt, nämlich darin, dafür zu sorgen, dass die Metropole Berlin mitsamt ihrer frisch ausgesponnenen Tesla-Fabrik und ihrem bisher ziemlich nutzlosen Mega-Flughafen, die wie Monde um sie herum fliegen, das bleibt was sie ist, nämlich ein verregnetes Fleckchen Erde in Nordost-Deutschland ohne Tesla-“Supercharger”. Der nächste steht übrigens auf einer verdammten Weide in Brandenburg.

Key West und der Deckel

Berlin ist weder Varadero noch Key West oder die Copacabana. Das Fleckchen darf kein Palmenparadies werden. Dennoch ist Extinction Rebellion nervtötend. Das Schweigen der Klima-Revolutionäre ist die Ruhe vor dem Sturm. Spätestens im Frühling wird die Hauptstadt wieder lahmgelegt. Fridays for Future ist sympathisch und überzeugend. Diese Extinction-Leute haben die Demokratie hingegen irgendwie missverstanden. Die “Bürgerversammlungen”, die sie fordern und die ihrer Ansicht nach nun die Klimapolitik festlegen sollen, gibt es bereits. Sie heißen Parlamente. Also nö.

Nun bleibt abzuwarten, was uns 2020 noch um die Ohren fliegen wird. Ein aussichtsreicher Kandidat wäre der Mietendeckel. Er ist definitiv gut gemeint und diejenigen, die am lautesten meckern sollten sich eventuell eingestehen, dass ihre “Bauen, bauen, bauen”-Strategie vielleicht bis zum Jahr 3030 Früchte tragen würde, wenn überhaupt. Zugleich ist der Deckel allerdings ein juristischer Wackelkandidat, was ihn für Mieter derzeit eher zur Gefahr macht. Selbiges gilt für tausende Berliner, die Mieter werden wollen, was ihnen aber nicht gelingt. Was auch immer es ist: Deckel, Bau, Zauber. Wir brauchen es. Danke und auf Wiedertschüs.